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Koçak als Nebenkläger im Prozess zur Neuköllner Anschlagsserie zugelassen – Umgang mit Opfern rechter Gewalt fragwürdig

Am heutigen Tag beginnt vor dem Amtsgericht Tiergarten der Prozess gegen die fünf Angeklagten im Zusammenhang mit dem rechten Terror in Neukölln. Ferat Koçak wurde als einer der  Betroffenen mit skandalösen Begründungen zunächst nicht zur Nebenklage zugelassen. Koçak zum Prozessbeginn und zur Nebenklage:

Am heutigen Tag beginnt vor dem Amtsgericht Tiergarten der Prozess gegen die fünf Angeklagten im Zusammenhang mit dem rechten Terror in Neukölln. Ferat Koçak wurde als einer der  Betroffenen mit skandalösen Begründungen zunächst nicht zur Nebenklage zugelassen. Koçak zum Prozessbeginn und zur Nebenklage:

„Je näher der Prozesstermin rückte, umso stärker kamen die Bilder vom Tag des Anschlags zurück. Schlaflose Nächte, ständige Alarmbereitschaft und Angst um meine Familie sind wiederkehrende Erscheinungen. Die Ablehnung der Nebenklage mit der Begründung nach welcher meine körperlichen oder seelischen Schäden nicht erheblich genug wären, war für mich ein Schlag ins Gesicht. Ich wurde zum wiederholten Male Opfer dieser Tat. Erst durch die Nazis, dann durch die Polizei, die mich trotz klarer Erkenntnisse nicht gewarnt hatte, und dann durch die Justiz, die der Meinung ist, dass ein Opfer von Nazi-Terror nicht genug gelitten hätte.“

Koçaks Anwältin hat durch eine Beschwerde beim Landgericht die Zulassung der Nebenklage erwirken können. Dennoch ist der Vorgang für Koçak symptomatisch für den Umgang der deutschen Justiz mit Opfern rechter Gewalt:

„Die Zulassung der Nebenklage hat mich zwar erleichtert, aber es ist eine Schande, dass Opfer von Nazi-Terror immer wieder um ihre Rechte kämpfen müssen. Ich begrüße es, dass das Landgericht in ihrer Begründung eine Tötungsabsicht „nicht so fernliegend“ sieht. Es war kein Anschlag auf mein Auto sondern ein Anschlag auf meine Familie und mich, den wir nur knapp überlebt haben! Wenn Richter*innen und Polizei Opfer von Nazi-Terror so behandeln, dann wird wieder einmal offensichtlich, dass Deutschland nicht nur ein Problem mit Nazis selbst, sondern auch ein systematisches Problem in Justiz und Sicherheitsbehörden hat. Dementsprechend halten sich meine Erwartungen zum Ergebnis des Gerichtsprozesses in Grenzen.“

Nicht zuletzt antwortet Koçak auf die vereinzelten Vorwürfe, dass er als stellvertretendes Mitglied im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum rechten Terror und nun als Nebenkläger im Prozess eine ungute Doppelrolle hätte:

„Das sind zwei unterschiedliche Sachen. Ich bin mir der zwei unterschiedlichen Rollen bewusst und respektiere diese. Ich weiß genau in welcher Rolle ich wo sitze und halte mich an die Vorgaben des Gerichts sowie an die Vorgaben des Untersuchungsausschusses.“

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Daniel Kipka-Anton,
Mitarbeiter, Ferat Koçak, MdA